Späth’sche Baumschulen: Wohnungsbaupläne gefährden grünes Zentrum
Dialog dringend erforderlich
Geplante Bebauung betrifft gewachsene Grün- und Produktionsflächen
Die aktuellen Planungen aus dem Haus des Berliner Senators für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Christian Gäbler, zur Entwicklung von Wohnraum auf Teilflächen der Späth‘ sche Baumschule stoßen auf große Besorgnis innerhalb des Gartenbaus sowie bei zahlreichen Anwohnerinnen und Anwohnern.
Nach den vorliegenden Planungen von Christian Gäbler sollen auf Flächen zwischen Ligusterweg und der sogenannten „Blauen Märchenhütte“ künftig mehrgeschossige Wohngebäude entstehen. Bereiche, die heute öffentlich zugänglich sind und Raum für Erholung, Bildung und gärtnerische Nutzung bieten, würden damit grundlegend verändert. Betroffen wären unter anderem der Gehölzsortengarten, der Weltacker Berlin, die Staudenproduktion, Obstbaumflächen sowie das Garten-Biotop am Karpfenteich. Statt gewachsener Grün- und Produktionsflächen drohen Versiegelung und bauliche Verdichtung.
„Wir erkennen den dringenden Bedarf an Wohnraum in Berlin ausdrücklich an. Gleichzeitig darf die Entwicklung neuer Wohnungen nicht einseitig zulasten gewachsener grüner Infrastrukturen erfolgen“, betont Christoph Tröster, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg e.V.
Historischer Standort mit hoher Bedeutung für Berlin
Die betroffenen Flächen stellen eine zentrale grüne Oase für die Berliner Bevölkerung dar. Sie sind eng verbunden mit dem Gesamtstandort der Baumschule – einschließlich Pflanzenverkauf, Hofladen, Kräutergarten, Baumschulenmuseum und weiteren Einrichtungen – und ermöglichen erst das Erleben dieses historischen Ortes als zusammenhängendes grünes Zentrum. „Die Späthsche Baumschule ist ein gewachsener Standort mit großer Bedeutung – wirtschaftlich, ökologisch und für die Menschen vor Ort. Solche Strukturen lassen sich nicht einfach ersetzen“, sagt Holger Zahn, ehemaliger Geschäftsführer der Späthsche Baumschule.
Kritik am Verfahren und an der Flächenpolitik
Besonders kritisch wird gesehen, dass die Planungen kurzfristig in den Senat eingebracht und dort zur Beschlussfassung gestellt werden sollen, ohne dass eine ausreichende Beteiligung der Öffentlichkeit und des Berliner Abgeordnetenhauses erkennbar ist. Gleichzeitig weichen die aktuellen Planungen nach Einschätzung vieler Beteiligter deutlich von zuvor kommunizierten Konzepten zur behutsamen Integration der Baumschule in ein neues Stadtquartier ab. Auch in der öffentlichen Diskussion wird zunehmend hinterfragt, warum vorrangig funktionierende Grün- und Produktionsflächen in Anspruch genommen werden, während innerstädtische Brachflächen, ehemalige Industrieareale und andere bereits versiegelte Flächen weiterhin unzureichend genutzt werden.
Besonders irritierend wird dabei wahrgenommen, dass ausgerechnet auf den betroffenen Flächen auch ein Baum steht, der im Rahmen eines öffentlichen Termins vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner selbst gepflanzt wurde und nun den Bauplänen weichen muss. Dies verstärkt in der Öffentlichkeit den Eindruck widersprüchlicher Signale im Umgang mit städtischem Grün.
Wohnraumschaffung ohne zusätzliche Versiegelung
Zugleich zeigen bestehende Beispiele, dass zusätzliche Wohnkapazitäten auch ohne neue Flächenversiegelung geschaffen werden können. Die Aufstockung eingeschossigerEinzelhandelsstandorte oder die intensivere Nutzung bereits versiegelter Flächen bieten hier erhebliche Potenziale. „Es sollte vorrangig darum gehen, bereits versiegelte Flächen effizienter zu nutzen, anstatt bewirtschaftete und ökologisch wertvolle Grünflächen dauerhaft zu verlieren“, so Christoph Tröster.
Forderung nach Dialog und Aussetzung des Verfahrens
Vor diesem Hintergrund fordern die Beteiligten den Berliner Senat sowie den Regierenden Bürgermeister auf, das Verfahren auszusetzen und kurzfristig in einen offenen und transparenten Dialog mit den betroffenen Betrieben und Verbänden einzutreten.
Ziel muss es sein:tragfähige Lösungen zu entwickeln, die sowohl dem Wohnraumbedarf als auch dem Erhalt grüner Produktions- und Erholungsflächen gerecht werden, bestehende Nutzungskonflikte frühzeitig zu entschärfen, alternative Flächenpotenziale und Nachverdichtungskonzepte stärker in den Fokus zu rücken. „Gerade in Zeiten des Klimawandels sind funktionierende grüne Strukturen in der Stadt keine verzichtbare Reservefläche, sondern Teil der Lösung.“
Hinweis / Beteiligung der Öffentlichkeit
Parallel zu den aktuellen Entwicklungen wurde eine Petition zum Erhalt der betroffenen Flächen gestartet.
Online-Petition:
Späth muss grün bleiben! Unterschriftenaktion gestartet – Online und Listen