Spinnmilben im Zierpflanzenbau unter Glas
Spinnmilben im Zierpflanzenbau unter Glas
Biologie und Verbreitung
Spinnmilben sind häufig vorkommende Schädlinge im Zierpflanzenbau. Sie zeichnen sich durch eine äußerst polyphage Lebensweise aus und können an vielen verschiedenen Zierpflanzen vorkommen. Ihre natürliche Größe beträgt 0,3 bis 0,8 mm. Die Entwicklung erfolgt vom Ei über ein Larvenstadium und bis zu drei Nymphenstadien zum adulten Tier. Es werden mehrere Generationen pro Jahr ausgebildet, wobei die Generationsfolge sehr temperaturabhängig ist. Viele Arten sind in der Lage, in Verstecken auch strenge und lange Winterperioden zu überstehen. Die Schadbilder können mannigfaltig sein: Kräuselungen, Farbveränderungen, vor allem aber Weißsprenkelungen, die durch das Besaugen der Zellen entstehen, da das Blattgrün zerstört wird. Daher sind feine helle weiße oder gelbliche Punkte auf der Blattoberfläche oft die ersten sicheren Symptome eines Spinnmilbenbefalls. Bei der Saugtätigkeit wird gleichzeitig ein Gespinst ausgebildet, was ebenso ein sicheres Symptom eines Befalles ist und Bekämpfungsmaßnahmen erschwert, da Pflanzenschutzmittel nur schlecht durch das dichte Gespinst eindringen können. Zu den am häufigsten vorkommenden Arten im Zierpflanzenbau gehören die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae) und Karminspinnmilbe (Tetranychus cinnabarinus). Weniger häufig können auch andere Arten wie die Citrus-Spinnmilbe (Panonychus citri), Bambus-Spinnmilbe (Stigmaeopsis cebrius) oder die weiterhin als Quarantäneschädling eingestufte Lewis-Spinnmilbe (Eotetranychus lewisii) vorkommen. Die Lewis-Spinnmilbe kann wie alle anderen Arten an verschiedenen Zierpflanzen vorkommen, wird aber in den meisten Fällen durch den Import von Poinsettia-Stecklingen eingeführt, weshalb Poinsettien-Bestände besonders aufmerksam und regelmäßig auf einen Befall kontrolliert werden sollten. Bei Verdacht eines Befalles ist der Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg zu kontaktieren.

Bekämpfungsmaßnahmen
Grundlage einer effektiven Bekämpfung ist eine regelmäßige Kontrolle der Bestände. Da an warmen und trockenen Standorten die Vermehrungsrate sehr hoch ist, sind Bereiche in der Nähe von Heizungsrohren, Türen und Lüftungsklappen besonders sorgfältig zu beobachten. Ein wesentlicher Aspekt zur Vorbeugung eines Befalls ist die Einhaltung von Hygienemaßnahmen, da durch Pflanzen, Werkzeuge, Kleidung und Hände Spinnmilben zusätzlich verbreitet werden können. Durch angepasste Kulturmaßnahmen, z.B. Schaffung einer höheren Luftfeuchtigkeit kann die Entwicklung erheblich gestört werden. Zur Befallsregulierung können natürliche Gegenspieler genutzt werden. Dazu zählen vor allem die zwei Raubmilbenarten Phytoseiulus persimilis und Amblyseius californicus. Phytoseiulus persimilis ernährt sich nur von Spinnmilben und ist an eine hohe Luftfeucht (>60%) gebunden. Sie kann mit 5-10 Tieren pro m² eingesetzt werden. Amblyseius californicus ernährt sich auch von anderen Milben, Thripslarven oder Blütenpollen und kann deshalb auch vorbeugend eingesetzt werden. Von den Nützlingslieferanten wird auch ein Mix aus beiden Raubmilbenarten angeboten. Es wird empfohlen, nach dem ersten Auftreten eine Herdbelegung und gleichmäßige Belegung des gesamten Bestandes durchzuführen. Nach einigen Wochen ist eine Nachbelegung notwendig. Bei starkem Befall und bei Dauerkulturen sind weitere Einsätze erforderlich. An heißen Tagen ist auf die Einhaltung einer entsprechenden Luftfeuchtigkeit im Bestand zu achten. Die Lewis-Spinnmilbe kann mit Raubmilben nicht bekämpft werden.
Bei einer chemischen Bekämpfung von Spinnmilben ist ebenso ein frühzeitiger Maßnahmebeginn notwendig, um weitere massive Pflanzenschutzmitteleinsätze zu vermeiden. Da bei Spinnmilben die Gefahr einer Resistenzbildung aufgrund der hohen Vermehrungsrate sehr hoch ist, sollten in einer Spritzfolge Präparate aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zum Einsatz kommen. Weiterhin ist zu beachten, dass von allen Produkten nicht alle Stadien gleichermaßen erfasst werden.Tabelle 1: Wirkung von aktuell zugelassenen Akariziden (08/2026) auf die Entwicklungsstadien von Spinnmilben (Herstellerangaben)
| Präparat | Ei | Larve | Nymphe | Adult |
| Eradicoat Max | – | X | X | X |
| Floramite 240 SC | X | X | X | X |
| Hexythiazox 250 SC | X | X | X | – |
| Kanemite SC | – | X | X | X |
| Kiron | – | X | X | X |
| Milbeknock | – | X | X | X |
| NeemAzal-T/S | – | X | X | X |
| Neudosan Neu | (X) | X | X | X |
| Ordoval | X | (X) | – | – |
X= gute Wirkung, (X)= geringe Wirkung, – = keine Wirkung
Da es sich bei allen Akariziden um Kontaktmittel handelt, ist bei der Behandlung die Benetzung der Blattunterseite abzusichern. Bei stärkerem Befall ist eine konsequente Spritzfolge mit wechselnden Wirkstoffen in kurzen Zeitabständen anempfohlen.
Erika Heinrich // LELF-Pflanzenschutzdienst