Wer regionalen Gartenbau will, muss auch die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen
Gartenbau zwischen Energie, Wasser, Pflanzenschutz und Digitalisierung
Wie kann der Gartenbau mit steigenden Energiekosten, zunehmender Wasserknappheit, dem Fachkräftemangel und wachsenden Herausforderungen im Pflanzenschutz umgehen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Vortragsblocks „Praxis.Politik.Perspektiven“ bei der öffentlichen Mitgliederversammlung des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) am 10. September 2026. ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer (im Bild /Foto: ZVG/ Rafalzyk) zog Bilanz der Verbandsarbeit und verwies auf die Vielzahl an Themen, die den Gartenbau derzeit beschäftigen – von Bürokratieabbau, Energie- und Klimapolitik über Pflanzenschutz bis hin zu Arbeitskosten, Berufsbildung und Nachhaltigkeit. Vier Referenten präsentierten konkrete Praxisbeispiele und aktuelle Entwicklungen und zeigten, welche Lösungsansätze bereits heute zur Verfügung stehen und an welchen Stellen es verlässliche politische Rahmenbedingungen braucht.
Energie effizient nutzen: Power-to-Heat im Unterglasgartenbau
Den Auftakt bildete Thomas Höfler mit einem Praxisbericht zum Einsatz von Power-to-Heat-Technologien im Unterglasgartenbau. Anhand seines Gemüsebaubetriebs erläuterte er, wie überschüssiger oder günstig verfügbarer Strom vom Markt in Wärme umgewandelt und mithilfe von Wärmespeichern zeitversetzt genutzt werden kann.
Dabei gehe es nicht darum, bestehende Heizsysteme vollständig zu ersetzen. Vielmehr komme es darauf an, unterschiedliche Energiequellen intelligent miteinander zu kombinieren und kostengünstiger zu nutzen. Entscheidend seien dabei das Zusammenspiel von Strommarkt, Speichertechnologien und einer flexiblen betrieblichen Steuerung.
Pflanzenschutz: Zulassungslücken bleiben eine Herausforderung
Wie schwierig die Situation beim Pflanzenschutz insbesondere im Bereich der Sonderkulturen ist, zeigte Jan Plewka-Mandelkow vom Verbundvorhaben Lückenindikationen. Er erläuterte, wie aufwendig und langwierig es ist, bestehende Zulassungslücken bei Pflanzenschutzmitteln zu schließen. Zwischen dem erstmaligen Auftreten eines Problems und einer möglichen regulären Zulassung können häufig mehrere Jahre liegen. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung von Notfallzulassungen zu, weil wirksame Alternativen fehlen und die regulären Genehmigungsverfahren nur langsam vorankommen.
Wassermanagement: Mit weniger Wasser in die Zukunft
Unter dem Titel „Weniger Wasser, mehr Zukunft“ richtete Lukas Schirmer von der Friedhofsgärtnerei Blumen Zwingel den Blick auf die zunehmenden Trockenperioden und deren Folgen für den Friedhofsgartenbau. Dabei zeigte er zahlreiche praxisnahe Möglichkeiten auf, mit denen der Wasserverbrauch reduziert und die Wasserversorgung effizienter gestaltet werden kann. Dazu zählen moderne Substrate und Benetzungsmittel ebenso wie automatisierte Bewässerungssysteme, angepasste Pflanzkonzepte und die Speicherung von Regenwasser in Zisternen.
Schirmer machte deutlich, dass Wassersparen im Gartenbau längst gelebte Praxis sei. Damit die Betriebe ihre Anstrengungen weiter ausbauen können, brauche es jedoch geeignete politische Rahmenbedingungen, die entsprechende Investitionen und Lösungen unterstützen.
Digitalisierung und KI gegen den Fachkräftemangel
Welche Möglichkeiten Digitalisierung und Künstliche Intelligenz für den gärtnerischen Einzelhandel eröffnen, erläuterte Prof. Dr. Stephan Rüschen. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels werde es zunehmend wichtiger, Arbeitsabläufe zu automatisieren und vorhandene personelle Ressourcen effizient einzusetzen. Self-Scanning-Lösungen, digitale Bestellsysteme, Smart Stores, eine personalisierte Kundenansprache und KI-gestützte Informationsangebote können dabei helfen, Prozesse zu vereinfachen und gleichzeitig die Servicequalität zu verbessern. Digitalisierung und KI bieten damit die Möglichkeit, Effizienz und Kundenorientierung miteinander zu verbinden.
Innovation braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Die vier Beiträge zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig die aktuellen Herausforderungen im Gartenbau sind – und zugleich, dass bereits heute zahlreiche technische, betriebliche und digitale Lösungsansätze zur Verfügung stehen. Ob bei der Energieversorgung, dem Wassermanagement, im Pflanzenschutz oder bei der Digitalisierung: Der Gartenbau verfügt über innovative Ansätze, um den notwendigen Wandel aktiv zu gestalten. Damit diese Potenziale in der Praxis tatsächlich genutzt und weiterentwickelt werden können, braucht es neben dem Engagement der Unternehmen jedoch auch verlässliche politische Rahmenbedingungen.