„Grüne Kompetenz
für unsere Region”

Apfelsaison in Brandenburg eröffnet

Gastgeber der Saisoneröffnung am 2. September 2020 war die BB Brandenburger Obst GmbH. Das Unternehmen ist Teil des Firmenverbundes der BB Obst Gruppe und steht für einen Obstanbau mit langer Tradition im Wesendahler Obstanbaugebiet. Mit knapp 219 ha Anbaufläche ist der Apfel die wichtigste Frucht für das 1992 gegründete Wesendahler Un- ternehmen, das darüber hinaus auch Süßkirschen (16,5 ha), Erdbeeren (3,5 ha) und Pflaumen (2 ha) kultiviert.

Auch für Brandenburg ist der Apfel mit einer Anbaufläche von 917 Hektar die dominierende Obstart. Nach der schlechten Apfelernte 2019 können die Obstgärtner in die- sem Jahr mit einer besseren Ernte rechnen und gehen insgesamt von einem Apfelertrag von 232 Dezitonnen pro Hektar aus. Dennoch hatte der Apfelanbau auch in diesem Jahr mit Frost, Hagel, Trockenperioden sowie neuen Schädlingen und Baumkrankheiten wie etwa der Suzuki-Fruchtfliege oder dem Feuerbrand zu kämpfen.

Um Ernteausfälle so gering wie möglich zu halten, suchen viele Gärtner nach Lösungen. Peter Thuile, Geschäftsführer der BB Brandenburger Obst GmbH, denkt über eine Investition in eine Frostschutzberegnung nach. Doch hierfür braucht es viel Wasser. Dieses könnte in Auffangbecken gesammelt werden. Die Planung und der Bau dieser Becken sei eine finanzielle Herausforderung für die Obstgärtner, die nur mit Unterstützung vom Land zu bewerkstelligen sei, so Thuile. Landwirtschaftsminister Axel Vogel sicherte zu, dass es hier Förderungen geben werde. Ohne einen Eigenanteil werde es aber nicht gehen. Das Land unterstützte Obstgärtner, die 2019 wegen Frostes große Einbußen hatten, in diesem Jahr bereits mit mehr als drei Millionen Euro. Finanziert werden sollen zukünftig auch Beratungen etwa zu wassereinsparenden Anbaumethoden durch die Einhaltung von Fruchtfolgen und zur Steigerung des Humusgehaltes der Böden. Außerdem habe das Land die Notwendigkeit erkannt, für die Ausbildung in den Agrarberufen zu werben.

Axel Vogel betonte auf der Saisoneröffnung zugleich die Bedeutung von regionalen Produkten, die es zu unterstützen gelte. Solange der Lebensmitteleinzelhandel Preise biete, die unter den Produktionskosten der Obstgärtner liegen, funktioniere das nicht, konstatierte Agrarminister Vogel zusammenfassend. Auch Dr. Klaus Henschel, Präsident des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg,verwies auf die Marktmacht und das Preisdiktat des Lebensmitteleinzelhandels. Er sehe keinen, „der die Großen an der Leine hält“, so Henschel. Weitere Zusatzbelastung sei die CO2-Bepreisung, die für den deutschen Gartenbau insgesamt erhebliche Nachteile mit sich bringe. In den Niederlanden und Polen gebe es so etwas nicht, so Henschel. Die Brandenburger Äpfel müssen aber mit diesen europäischen Ländern konkurrieren, aus der der Lebensmitteleinzelhandel seine Äpfel beziehe.

Um angesichts der vielfältigen Erschwernissen im Apfelanbau wie Frost, Trockenheit und Schädlingsbefall, vernünftig produzieren zu können, müsse man auch viel investieren. „Zehn Hektar Apfel kosten 1,5 Millionen, das heißt ein 20-Hektar-Betrieb muss allein für die Reproduktion jedes Jahr 100.000 Euro neben den normalen Kosten erwirtschaften“, rechnete Thomas Bröcker, Leiter der Fachgruppe Obst, vor. Das gelinge nur durch intensive Produktion, so Thomas Bröcker.

Bei der intensiven Produktion müssten Maßnahmen zur Biodiversität auf 10 % in den Produktionsflächen begrenzt werden und der Pflanzenschutz weiterhin gewährleistet sein, um stabile Erträge erwirtschaften zu können, so Bröcker weiter. Ohne Dreifachsicherung wie im Tiroler Apfelanbau, durch Frostschutzberegnung, Hagelnetze und Allgefahrenversicherung, sei der Apfelanbau in Deutschland und Brandenburg auf Dauer nicht konkurrenzfähig.

In weiteren Statements durch Arno Jaeschke, Bürgermeister der Stadt Altlandsberg, und Gernot Schmidt, Landrat Märkisch-Oderland, wurde nochmals die systemrelevante Bedeutung der Landwirtschaft und die Wichtigkeit regionaler Versorgung gerade in Zeiten von Corona und die Nachwuchsgewinnung im Obstbau thematisiert.

Der PR-Termin wird auch deshalb zelebriert, um nicht nur auf die Situation des Brandenburger Apfelanbaus aufmerksam zu machen, sondern um Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst zu motivieren, Äpfel aus der Region zu kaufen. „Äpfel aus der Region haben einen kurzen Weg zum Kunden, sind frisch, ausgereift und schmecken schon allein dadurch viel besser“, so Klaus Henschel.