„Grüne Kompetenz
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Sanddornforschung am Versuchsstandort Gülzow

Vor ca. 15 Jahren wurde auf Initiative des Verbandes Mecklenburger Obst und Gemüse e.V. und des Gartenbauverbandes von Estland ein Kultursanddorn-Exaktversuch aus der Taufe gehoben. Dieser Versuch stellte die Weichen für eine Vielzahl weiterer Sanddornanbauversuche am Versuchsstandort Gülzow und in verschiedenen Betrieben. Ziel des Vorhabens war es, die Anbauwürdigkeit deutscher und russischer Sanddornsorten in Mecklenburg-Vorpommern und Estland zu prüfen. Zudem sollten optimale Erntetermine bestimmt und unterschiedliche Erntemetoden getestet werden.

Der deutsch-estnische Anbauversuch stellte den Ausgangspunkt für eine Vielzahl weiterer Sanddornversuche dar. In 15 Jahren Sanddorn-Anbauforschung in Gülzow zeigte sich, dass auch bei sogenanntem 'Wildobst' eine gute Kulturführung unabdingbar ist. Eine angepasste Be- wässerung und Unkrautbekämpfung sind beim Sanddorn absolut notwendig. Der zwei- bzw. dreijährig durchgeführ- te Ernteschnitt setzt die Pflanzen zusätzlich unter Druck, zumal Rindenverletzungen beim Sanddorn nur unzurei- chend verheilen und somit potentielle Eintrittspforten für Krankheitserreger darstellen. Auch die Anfälligkeit gegenüber bodenbürtigen Krankheitserregern stellte sich beim Sanddorn als problematisch heraus. Hier scheinen viele osteuropäische Sorten deutlich stärker betroffen zu sein, was sich bereits im Rahmen des deutsch-estnischen Anbauversuches zeigte. Allerdings wurde eine generelle Anfälligkeit im Rahmen des Versuches auch bei den deutschen Sorten nachgewiesen. Basierend auf mehreren An- bauversuchen stellt die Sanddornveredlung nach derzeitigem Stand eine erfolgversprechende Möglichkeit zum Anbau von gegenüber bodenbürtigen Krankheitserregern anfälligen Sanddornsorten dar. Die dafür an die Unterlagen gestellten Anforderungen sind vor allem gekennzeichnet durch die Robustheit gegenüber bodenbürtigen Krank- heitserregern sowie einer geringen Wurzelschosserbildung. Bisher haben sich die Sorten 'Leikora', 'Habego' und 'Hergo' in Norddeutschland als relativ robust gezeigt, wobei über eine gewisse Anfälligkeit der Sorte 'Leikora' aus Praxisbeständen berichtet wird. Aufgrund unterschiedlicher Quantitäten der Fruchtinhaltstoffe und einer zeitlich früheren Fruchtreife könnten osteuropäische Sorten somit eine wertvolle Ergänzung zu den bisher in Norddeutschland angebauten Sanddornsorten darstellen. Die Sanddornveredlung wäre bei den anfälligen Sorten dafür das Mittel der Wahl.

Seit etwa 2013 mehren sich zunehmend Berichte über das verstärkte Absterben von Sanddornpflanzen in Nord- deutschland, wobei sowohl Plantagen wie auch Wildbe-stände betroffen sind. Es wird vermutet, dass insbesondere die extremen Wetterbedingungen der letzten Jahre einen maßgeblichen Einfluss bei der Auslösung des 'Sanddornsterbens' haben könnten. Die genauen Ursachen für das 'Sanddornsterben' sind jedoch nach wie vor nicht geklärt und bedürfen weiterer Untersuchung.

Ein weiteres Problem im norddeutschen Sanddornanbau stellt die Sanddornfruchtfliege dar, welche sich beim vorwiegend unter ökologischen Bedingungen angebauten Sanddorn binnen kürzester Zeit zum größten Schädling entwickelt hat. Dem trägt ein im August 2018 begonnenes EIP-Projekt (Mo- PlaSA) zur Bekämpfung der Sanddornfruchtfliege Rechnung. Ziel des EIP-Projektes ist es, ein wirksames und kosteneffizientes Bekämpfungskonzept für die Anbauer zu entwickeln, das verschiedene nichtchemische Einzelmaßnahmen (Module) erfolgreich zu einer modularen Pflanzenschutzstrategie im Baukastenprinzip verbindet.

15 Jahre nach Beginn des deutsch-estnischen Anbauversuchs sind die Herausforderungen nach wie vor groß. Die Bekämpfung der Sanddornfruchtfliege und des 'Sanddornsterbens' sind die derzeit wegbestimmenden Themen. Daraus folgend gilt es, auch zukünftig geeignete robuste Sanddornsorten und Sanddornunterlagen zu finden und die Kulturführung und Pflanzenschutzstrategien im Sanddornanbau weiter zu ver- bessern. Für die Forschungsarbeit der kommenden 15 Jahre ist somit bereits gesorgt (Hippauf, 2020)!

Literatur
Hippauf, F. (2020) Deutsch-estnischer Sanddorn-Anbauver- such – Ein Resümee – Mitteilungen des Obstbauversuchsrin- ges des Alten Landes 75 (5): 192 – 195.

Dr. Frank Hippauf